1. Tag der Komplementärmedizin im Kanton Thurgau

Medienmitteilung zum 1. Tag der Komplementärmedizin im Kanton Thurgau

Das Kantonalkomitee Thurgau hat unter der Leitung der Thurgauer Nationalrätin Edith Graf-Litscher am 28. November 2014 zum 1. Tag der Komplementärmedizin im Thurgau eingeladen. Rund 60 Gäste folgten der Einladung und debattierten über die Möglichkeiten, die Komplementärmedizin im Kanton Thurgau besser zu verankern. Gastgeber war die Regena AG in Tägerwilen.

Die Thurgauer SP-Nationalrätin Edith Graf-Litscher, Co-Präsidentin des Dachverband Komplementärmedizin und Präsidentin des Kantonalkomitees Thurgau, erklärte die Aufgaben des nationalen Dachverbands. Der Dachverband setzt sich dafür ein, dass die Kernforderungen des Verfassungsartikels umgesetzt werden. Mitglieder sind Organisationen aller Berufsgruppen sowie als Passivmitglieder viele Hersteller von natürlichen Arzneimitteln.

Komplementärmedizin sei additiv, komplementär aber auch alternativ

Der homöopathisch tätige Tierarzt Dr.med. Andreas Schmidt wies auf die verschiedenen Möglichkeiten der sanften Medizin hin. Komplementärmedizin sei sowohl additiv, komplementär aber auch alternativ. Oft gäbe es keine schulmedizinischen Alternativen, wie z.B. beim Einsatz von Antibiotika. Die integrative Medizin, geschieht auf der Ebene der Kantone, wo die Medizin praktiziert wird. Es braucht gute Rahmenbedingungen damit, der Mehrwert besser genutzt werden kann, führte Andreas Schmidt aus.

Komplementärmedizin als nützliche Ergänzung zur Schulmedizin

Dr. med. Anita Meyer Hitz, TCM-Ärztin, sagte symbolisch, dass man auf zwei Beinen besser geht. Chinesische Medizin bietet einen Mehrwert und wirkt auf körperlicher Ebene, zeigt sich die Akupunktur-Ärztin überzeugt. Chinesische Medizin kann oft dort helfen, wo Schulmedizin an Grenzen kommt. Zum Teil ist es aber auch eine Konkurrenz, die zu Grabenkämpfen führt, meinte sie. Die chinesische Medizin beruht auf einer anderen Betrachtungsweise, man geht nicht von einem einzelnen Symptom aus, sondern von einem Gesamtbild.

Komplementärmedizin betrachtet den ganzen Menschen

Dr. phil. nat. Rainer Andenmatten, Kantonsapotheker des Kantons Thurgau, eröffnet sein Referat mit dem Züricher Manifest der Wirksamkeit medizinischer Verfahren, das 2009 in der NZZ erschienen ist. Die unterzeichnenden Universitätsprofessoren sind der Meinung, dass es nur eine einzige wirksame Medizin gibt. Andenmatten hat kein Verständnis für derartige Ignoranz. In seiner Studienzeit hat ihn ein Referat beindruckt. Dort wurde Schulmedizin als Reparaturmedizin bezeichnet, demgegenüber sucht Komplementärmedizin in einem komplexen Räderwerk nach dem defekten Zahnrad.

Die Anforderungen an komplementärpharmazeutische Produkte sind bei der Zulassung zu vereinfachen, forderte Andenmatten. Klinische Studien sind im klassischen Sinn nicht möglich. Die Deklaration und Anpreisung ist unterschiedlich. Naturheilpraktikern soll der Zugang sicherlich gegeben werden.

Notwendigkeit eines nationalen Registers für nichtärztliche Therapeuten

Dr. med. Oliver Kappeler ist seit Februar 2014 Kantonsarzt. Vorher war er viele Jahre im Thurgau als Hausarzt tätig. Den Fähigkeitsausweis der TCM der FMH hat er mitgestaltet. Er war Mitglied des Initiativkomitees der Volksinitiative Zukunft für Komplementärmedizin, die im 2009 als Gegenvorschlag von Volk und Ständen angenommen wurde.

Kappeler wies auf die Notwendigkeit eines nationalen Registers für nichtärztliche Therapeuten hin, das weiterhin fehlt. Er erachtet kantonale Berufsausübungsbewilligungen für nichtärztliche Therapeuten als wichtig. Generell sieht Kappeler die komplementärmedizinischen Angebote als gut etabliert. Schul- und Komplementärmedizin sind in einem guten Neben- und Miteinander. Die Zusammenarbeit in Praxis und Spital funktioniere, obwohl es keinen Leistungsauftrag für Komplementärmedizin im Spitalbereich gibt.

Es besteht kein Handlungsbedarf, sagte Kappeler zum Schluss seines Referats. Diese Meinung wurde an den anschliessenden Workshops nicht geteilt.

 

 

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Bild: Corinne Futterlieb


 

Workshops

Die Teilnehmenden aller Workshops sind der Meinung, dass es ein Kompetenznetzwerk Thurgau braucht. Dieses soll fachlichen und politischen Input liefern. Der Austausch unter Gleichgesinnten ist die Voraussetzung, um Vertrauen zu gewinnen. Besonders wichtig ist die vorurteilsfreie Zusammenarbeit von Ärzten und Therapeuten. Wird die fachliche Kompetenz gebündelt, wirkt sich das positiv für die Patientinnen und Patienten aus.

Zielsetzung eines Kompetenzzentrums könnte die Förderung der integrativen Medizin sein. Integrative Medizin ist die vorurteilslose Zusammenarbeit von Schul- und Komplementärmedizin. Von beiden Systeme sollen die guten Seiten genutzt werden.

Patientinnen und Patienten wissen oft zu wenig, es ist schwierig, sich im Spital, in der Apotheke oder Drogerie zu orientieren. Hingewiesen wurde auf den Patientenleitfaden des Dachverbands Komplementärmedizin, der eine gewisse Orientierung bringt. Die Patienten würden aber weitere Orientierungshilfen schätzen.

Edith Graf-Litschers Position wurde geteilt, dass im Kanton Thurgau ein Kompetenzzentrum Komplementärmedizin aufgebaut werden sollte. Sie formulierte gleich eine konkrete politische Forderung:

Die Kantonsspitäler müssen einen Leistungsauftrag für Komplementärmedizin erhalten.

Beispiele in anderen Kantonen zeigen, dass die Zusammenarbeit funktioniert und das Angebot von den Patienten rege genutzt wird. Das Kantonalkomitee Thurgau ist gefordert, die notwendigen politischen Schritte einzuleiten. Die Arbeit wird so schnell nicht ausgehen, denn von einer integrativen Medizin sind wir noch weit entfernt, gerade in den Spitälern.